Bestattungen und Bestattungsrituale in den Religionen

Home » Bestattungen und Bestattungsrituale in den Religionen
Bestattungen und Bestattungsrituale in den Religionen

Zwischen Kirche und Freimaurertum – Bestattungsrituale religiöser und freier Gemeinschaften

Bestattungsrituale verschiedener Glaubensrichtungen - Bestattungen in den ReligionenEin würdevoller Abschied, das ist es, was wir unseren Verstorbenen gewähren möchten. Mit einem angemessenen Rahmen achten wir jedoch nicht nur den Toten. Er ist bedeutsam für die Hinterbliebenen, denn er ist bereits ein erster Schritt auf dem Weg der Trauerbewältigung. Sigmund Freud war es, der diese Wichtigkeit als Erster aufgriff und den Begriff der Trauerarbeit schuf. Der evangelische Theologe Yorick Spiegel habilitierte 1972 mit seiner Arbeit “Der Prozeß des Trauerns. Analyse und Beratung”. Er spricht von vier Phasen des Trauerns. Bereits mit den Vorbereitungen zur Beerdigung lösen sich die Betroffenen aus ihrer ersten Schockphase und treten durch die wichtigen Aufgaben in die kontrollierte Phase ein.

Nach der Bestattung kommt die dritte Phase, die der Regression. Hier lässt die erste Anspannung nach, oft zeigt sich nun der Schmerz erst wirklich. Diese Phase ist jedoch unerlässlich, damit im letzten Abschnitt der Trauerbewältung, der Anpassung, Schritt für Schritt der Weg zu einem aktiven Leben, zu einem Eingehen auf die Umwelt wieder geöffnet wird. Trauerzeremonien haben sich deshalb sicher nicht nur als reine Glaubenssache in allen religiösen Richtungen etabliert. Viel früher wurde unbewusst – oder vielleicht sogar ganz bewusst – erkannt, wie wichtig das Durchlaufen dieses gesamten Prozesses ist. Auch all diejenigen, die keiner Kirche angehören, finden ihren Trost in einer einfühlsam gestalteten Trauerfeier.

Weltliche Bestattungsrituale - Bestattungen in den Religionen

Die weltliche Bestattung

Was vor Jahrzehnten noch undenkbar war, hat sich längst seinen Platz auf den Friedhöfen und in der Gesellschaft erobert. Losgelöst von Religionen, von der Sicht der Kirche zum Tod und zur Auferstehung, wird der Verstorbene feierlich verabschiedet. Ein ehrlicher Weg, wenn der Verstorbene keiner Glaubensgemeinschaft angehörte oder gar die Institution der Kirchen ablehnte. Diese weltlichen Beerdigungen sind die Konsequenz aus dem Wandel unserer Gesellschaft. Gerade die großen Kirchen verlieren immer mehr Mitglieder. Sie wenden sich ab und möchten deshalb auch ihre Trauerfeier ohne Priester, ohne Bezug auf Religion gestaltet wissen. Mehr als ein Drittel aller Toten wird in einer säkularen – weltlichen – Zeremonie verabschiedet.

Der Ablauf der weltlichen Bestattung

Es hat sich eingebürgert, dass auch diese Beerdigung in drei Abschnitte gegliedert wird. Zwar wird auf religiöse Elemente verzichtet, der Ablauf ähnelt sich jedoch. Erst wird des Toten gedacht, dann werden in Form einer Rede die wichtigsten Momente aus seinem Leben wieder in Erinnerung gebracht, ehe der Verstorbene der Erde übergeben wird. Auch eine Traueransprache, die sich an die Trauergäste richtet, ist ein Element der Gestaltung. Die Beisetzung von Sarg und Urne wird durch ein Passageritual begleitet. Tröstende, hilfreiche Worte und die Erdgabe für den Toten sind auch hier Teil der Zeremonie.

Jedoch sind bei der weltlichen Bestattung die Hinterbliebenen frei, wie sie die Feier gestalten möchten. Übernommen werden kann die Trauerrede von Angehörigen, Freunden oder von einem professionellen Trauerredner. Soll Musik die Zeremonie begleiten, so ist es nicht unbedingt der Choral, der die Toten ehrt, sondern vielleicht ihr Lieblingslied. Statt der Ansprache des Geistlichen sind es zunehmend Lesungen aus der Literatur, die den Toten und die Lebenden auf ihren ab jetzt getrennten Wegen begleiten sollen. Ebenso frei ist die Wahl der Symbole. Neben Blumen und Kerzen sind Tücher oder Duftstoffe Teil dieser Sinnbilder. Die Friedhofsverwaltungen haben sich fast überall diesem Weg der Verabschiedung geöffnet. Aber auch Seebestattung oder die Beerdigung in Bestattungswäldern ist bei dieser Bestattungsart möglich.

Bestattungsrituale der katholischen Kirche - Bestattungen in den Religionen

Abschiednehmen im katholischen Glauben

Die römisch-katholische Kirche sieht ein Fortbestehen der Glaubensgemeinschaft auch nach dem Tod. Die kirchliche Begräbnisfeier ist von dieser Auslegung geprägt. Die Krankensalbung, die dem Sterbenden als eines der sieben Sakramente gespendet wird, ist die Einleitung dieser christlichen Verabschiedung. Auch beim Gespräch darüber, wie Messe und Beerdigung gestalten werden sollen, finden die Priester vielmals noch die Zeit, erste tröstliche Worte, verbunden mit Gebet, den Angehörigen zukommen zu lassen. Die Reihenfolge weiteren Verabschiedung ist regional unterschiedlich. Die liturgische Farbe ist Schwarz, auch Violett ist möglich. Die Trauernden zeigen traditionell ebenfalls Schwarz oder Anthrazit, immer öfter ist es jedoch der Wunsch des Verstorbenen und der Hinterbliebenen, dass ganz normale, ja sogar ausgesprochen bunte Kleidung getragen wird.

Die katholische Trauerzeremonie

Meist geht dem eigentlichen Begräbnis die Heilige Messe voraus. Ob diese als feierliches Requiem oder als schlichte Totenmesse in der Form eines Wortgottesdienstes zelebriert wird, steht den Angehörigen des Verstorbenen frei. Die Entscheidung, wo diese Messe – in der zuständigen Pfarrkirche, einer Totenkapelle oder der Aussegnungshalle auf dem Friedhof – stattfindet, richtet sich nach der Tradition der Gegend und den örtlichen Gegebenheiten. Wo immer es möglich ist, wird der Tote im Sarg oder bereits als Asche in der Urne in der Kirche während der Andacht aufbewahrt. Eine brennende Osterkerze, oft auch die eigene des Verstorbenen, dient hier als Symbol für die Auferstehung. Im Glauben gestärkt durch die Messe und die Heilige Kommunion begeben sich die Gläubigen unmittelbar oder zu einem späteren Zeitpunkt zur Beisetzung auf den Friedhof.

Auf dem Gottesacker, so eine traditionelle Bezeichnung für den Friedhof, wird wieder im Gebet des Toten gedacht. Fürbitten für die Lebenden und Toten sind Bestandteil dieser Gebete. Während früher hier der Pfarrer – regional auch Pastor genannt – oder der Kaplan der Gemeinde die Trauerfeier hielten, übernehmen diesen Teil der Begräbniszeremonie nun teils Diakone oder Gottesdienstbeauftragte. Auch die Einbindung der Anverwandten oder Nachbarn ist bei diesem Teil der Beerdigung möglich. Immer mehr setzt bei der Feier durch, dass nicht nur Gebete gesprochen und Kirchenlieder gespielt oder gesungen werden. Auch Weltliches wie die Wiedergabe eines musikalisch und textlich passenden Lieblingsliedes und das Erinnern an die wichtigsten Lebensstationen des Verstorbenen finden nun ihren Platz. Begleitet von der Totenglocke werden dann an dieser Stätte die letzten Worte des Abschieds und Gebete, das Vaterunser und das Ave Maria, gesprochen, ehe es in einer Prozession ans Grab geht.

Wie in der Totenmesse und der Trauerhalle schon werden hier Sarg oder Urne mit Weihwasser gesegnet, wenn er von den Trägern in die Erde gelassen wird. Oft wird das Glaubensbekenntnis, das Credo, gesprochen. Die erste Schaufel mit Erde kommt vom Kirchenvertreter, der durch seine Worte daran erinnert, dass nach der katholischen Lehre der Mensch aus Staub, aus Erde geboren wurde und wieder zu Erde wird. Anschließend verabschieden sich Familie, Verwandte und Freunde mit Weihwasser, der Schaufel voll Erde und einem kurzen, stillen Gebet. Danach sind die Trauergäste an der Reihe, die beim Weggehen den Angehörigen kondolieren. Bei einer großen Beerdigung mit vielen Gästen ist dies eine lange, sehr belastende Angelegenheit. Der Wunsch der Hinterbliebenen, von Beileidsbezeigungen am Grab abzusehen, sollte deshalb unbedingt respektiert werden. In Abwesenheit der Hinterbliebenen wird das Grab später vollends zugeschüttet, ein schlichtes Holzkreuz bleibt solange, bis der Grabstein angebracht werden kann.

Bestattungsrituale der evangelischen Kirche - Bestattungen in den Religionen

Beerdigungsriten der Evangelischen Kirchen

Die großen Glaubensgemeinschaften haben sich in den letzten Jahrzehnten angenähert. Manches im Glauben hatten sie immer schon gemeinsam. So ähnelt auch die Bestattung im evangelischen Glauben dem Brauchtum der Katholiken. Immer mehr Christen empfinden das Evangelische als offener und lebensnaher, es ist weniger pompös als bei den katholischen Glaubensrichtungen. Die Beerdigung gliedert sich deshalb in lediglich zwei wesentliche Teile, den Bestattungsgottesdienst in Kirche oder Kapelle und die Verabschiedung am Grab.

Gestaltung der Bestattung bei den Evangelen

Beim öffentlichen Gemeindegottesdienst, der dem Toten gewidmet ist, sollen Sarg oder Urne anwesend sein. Mit Blumen geschmückt und vor dem Altar aufbewahrt, sind sie wichtiger Teil des bewussten Abschieds. Fast mehr noch als dem Verstorbenen gelten hier der Gottesdienst und das Begräbnis den Lebenden. Die Bestattung ist ein Akt der Liebe und seelsorgerischer Dienst, der den Hinterbliebenen diesen Moment eindringlich, aber auch leichter machen soll. Das Evangelium mit seiner Auslegung der Auferstehung ist wichtiger Bestandteil der Zeremonie.

Ablauf einer evangelischen Beerdigung

In vielen Gegenden findet in der Evangelischen Kirche der Gottesdienst bald nach dem Tode statt, unabhängig davon, ob die Bestattung zeitnah oder wie bei Urnenbestattung üblich, erst nach mehreren Wochen stattfindet. Sind die sterblichen Überreste in Sarg oder Urne präsent, werden sie mit Blumen, Kerzen und dem Kreuz geschmückt. Pfarrerin oder Pfarrer leiten die Trauerfeierlichkeiten, die teils von regionalen Gepflogenheiten abhängen. Nach der Musik zum Eingang folgen der Friedensgruß, die Einleitung und das biblische Votum. Nach einem Gemeindelied wird ein Psalm gesprochen. Das stille Gebet, eine abgestimmte Schriftlesung und die Predigt sind der weitere Ablauf. Nach dem gemeinsamen Glaubensbekenntnis schließen Gebete, das Geleitwort und die musikalische Begleitung des Auszugs den Trauergottesdienst ab. Bei der anonymen Bestattung, die hier möglich ist, ist mit dieser Feier der begleitete Teil der Beerdigung beendet, Sarg oder Urne werden ohne Angehörige und ohne Pfarrer der Erde übergeben.

Von der Kirche oder bei einer späteren Beisetzung der Trauerhalle aus wird unter Läuten der Totenglocke der Sarg im Trauerzug zum Grab gebracht. In der Halle oder am Grab, oft abhängig nicht nur vom örtlichen Brauch, sondern auch von der Witterung, sind sakrale Musik, Schriftlesung, das Vaterunser und ein Segen Elemente der Bestattung. Auch in der Evangelischen Kirche ist der Aspekt der Auferstehung präsent. Deshalb werden Beisetzungsworte gewählt, die darauf Bezug nehmen, dass der Mensch aus Erde geformt, geschaffen wurde und nun wieder zur Erde wird. “Asche zu Asche, Staub zu Staub, Erde zu Erde”. Nach einem letzten Gebet werden Sarg oder Urne ins Grab gesenkt, Grabbeigaben wie Blumen sind nur teilweise der Brauch. Ein abschließender Segen begleitet den Toten und die Trauergemeinde.

Bestattungsrituale der orthodoxen Kirche - Bestattungen in den Religionen

Bestattungen in der Orthodoxen Kirche

Vieles haben die Orthodoxen Kirchen der verschiedenen Prägungen gemeinsam: Wie schon der Name ortho = richtig, aufrecht und doxa = Verehrung, Glaube ausdrückt, betrachten sie sich als die richtigen Glaubensgemeinschaften. Orthodoxe Kirchen bilden untereinander eine Kirchengemeinschaft, die Gläubigen fühlen sich als Einheit. Kulturelle Unterschiede in den einzelnen Ländern ließen jedoch unterschiedliche Riten entstehen. In Kleinasien, Syrien und Russland, auf dem Balkan und in Griechenland – hier gilt der gesamte griechische Kulturraum – unterscheiden sich die Beerdigungen deshalb von Nationalität zu Nationalität, allerdings manchmal nur in Einzelheiten.

Gemeinsam im Glauben haben diese Kirchen, dass die Gläubigen in jeder Lebensstation stark dem Gebet und dem kirchlichen Segen unterstellt sind. Eine würdevolle, oft sogar pompöse Beerdigung ist deshalb von enormer Wichtigkeit. Ebenfalls von großer Bedeutung ist die Ausrichtung des Grabes, die Blickrichtung des Toten soll nach Osten, der aufgehenden Sonne und der Auferstehung zugewandt, gehen. Sind in einer Stadt, einer Region eigene orthodoxe Friedhöfe vorhanden, so bleiben die Gläubigen auch gerne im Tode unter sich. Orthodoxe Geistliche haben oftmals ein großes Gebiet zu betreuen, deshalb ist eine rechtzeitige Absprache unerlässlich. Fast immer gliedert sich eine Bestattung nach orthodoxem Ritus in drei Abschnitte: Die Heilige Messe, die Verabschiedung und der Gang zum Grab.

Unbedingt berücksichtig werden soll, und da unterscheidet sich die Orthodoxe Kirche von den großen deutschen Glaubensgemeinschaften, dass eine Feuerbestattung nicht erlaubt ist. Haben Familienangehörige eine andere Religion oder sind gar konfessionslos, findet diese Eigenart nicht immer Beachtung. Die orthodoxe Kirche stellt sich hier – wie die Katholische Kirche lange Zeit auch – auf den Standpunkt, dass eine Verbrennung die Auferstehung unmöglich macht. Von dieser über 2000 Jahre alten Tradition sollte nicht eigenständig abgewichen werden. Besteht die Familie auf der Einäscherung, wird der Geistliche der Beisetzung fernbleiben.

Ablauf der Beerdigung in der Griechisch-Orthodoxen Kirche

Hier findet der Griechische Ritus – auch Byzantinischer Ritus – seine Anwendung. Die erste Trauerstation ist hier wie in der Römisch-Katholischen Kirche die Krankensalbung des Sterbenden. Oft wird noch die traditionelle Totenwache im Hause des Verstorbenen gehalten. Einen Tag lang und eine Nacht wird für ihn gebetet. Ein wertvolles Leintuch, die Schale mit frischem Wasser und die Münze als Beigabe gehören zu den alten Riten. Diese Gaben sollen dem Toten die Reise ins Jenseits angenehm machen. Eine erste Aussegnung findet bereits hier statt, der letzte Kuss, den Priester und Trauernde dem Toten geben, beendet diesen Teil.

Die anschließende Heilige Messe zu Ehren des Toten wird meist als Chrysostomus-Kanon, der göttlichen Liturgie nach dem Heiligen Johannes Chrysostomus, zelebriert. Sie ist eine große Feier, geprägt von vielen Zeichen und Symbolen. Weihrauch ist ein unerlässlicher Bestandteil der Zeremonie, ebenfalls die reichlich bestickten Gewänder der Zelebranten und der Ministranten. Altarraum und Kirchenschiff werden durch die Ikonostase abgetrennt. Diese dreitürige Wand ist mit Ikonen geschmückt und stellt oftmals nicht nur einen religiösen, sondern obendrein einen hohen materiellen Wert dar.

Auch die Begleitung des Toten von der Trauerhalle bis hin zur letzten Ruhestätte ist aufwändiger als bei anderen Beerdigungen. Patriarch und Trauergäste ziehen unter Beten und Singen zum Grab. Hier dürfen beim Absenken des Sarges Gebete, Weihrauch und Weihwasser sowie die Schaufel mit der Erde nicht fehlen. Im Gegensatz zur aufwändigen Bestattung sind die Gräber einfach. Ein Kreuz, versehen mit einem Kasten, in dem ein Bild des Toten sowie seine Lebensdaten aufbewahrt werden, ist hier anstelle großer Marmorgrabmäler üblich. Damit sind die Trauerfeiern in der Griechisch-Orthodoxem Kirche jedoch noch nicht beendet. An fest bestimmten Tagen finden im Zeitraum von einem Jahr mehrere Requien statt. Die Feier nach 40 Tagen und die nach einem Jahr sind aufwändiger gestaltet. Im Altarraum wird eine Totenspeise bereitgestellt, die nach der Messe an die Gemeinde verteilt wird. Priester und Angehörige besuchen nach jedem Requiem das Grab.

Beerdigungen in der Serbisch-Orthodoxen Tradition

Die Serbisch-Orthodoxe Kirche gilt seit dem Verfall Jugoslawiens als Nationalkirche. Ihre Angehörigen sind in aller Welt verstreut. Neben allgemeinen orthodoxen Bräuchen haben sie auch die Beerdigungsrituale mit in die neue Heimat genommen. Wie in allen orthodoxen Kirchen ist die Beerdigung aufwändig. Der Sterbende bekommt die Krankenölung. Nach seinem Tod wird er zuhause oder bereits in einer Kapelle aufbewahrt. Ehe der Pfarrer mit dem liturgischen Teil der Beerdigung beginnt, verabschieden sich Familie und Freunde mit einem Kuss auf die Stirn vom Toten. Zur Bestattung wird der beste Anzug, das schönste Kleid angelegt – in traditionellem Schwarz.

Bedeutungsvoll ist die Totenmesse, die in keiner orthodoxen Glaubensgemeinschaft fehlen darf. Ist der Trauerzug mit dem Sarg am Grab eingetroffen, so sind Trauergäste, die nicht mit den Bräuchen vertraut sind, womöglich erstaunt. Denn statt lähmender Trauer rückt hier erst einmal Lebensfreude in den Vordergrund. Ein Glas Schnaps gehört am offenen Grab dazu, auch der Verstorbene bekommt ihn zusammen mit Speisen mit auf seine Reise ins Jenseits. Beim anschließenden Leichenschmaus geht es ebenfalls eher munter zu. Begebenheiten aus dem Leben werden erzählt, Lachen und Weinen mischen sich.

Sechs Tage nach dem Tod findet eine zweite Messe statt, eine weitere nach den symbolischen 40 Tagen, die dem Zeitraum zwischen Tod und Auferstehung Jesus entsprechen. Hier trifft man sich wieder am Grab, und der Schnaps wird auch hier selten fehlen. Weitere Requien sind nach sechs Monaten und einem Jahr. Selbst im Zeitraum danach sind im serbisch-orthodoxen Kulturkreis die Toten nicht vergessen: Im dritten, fünften und zehnten Jahr wird nochmals ihrer gedacht und dies auch durch Anzeigen zum Ausdruck gebracht. Wie wichtig den Gläubigen dieser Kirche ihre Toten sind, zeigt, dass Allerseelen nicht nur einmal, sondern viermal im Jahr gefeiert wird.

Russisch-Orthodoxe Bestattungen

Vieles haben hier die Trauerfeierlichkeiten mit den Abläufen gemeinsam, die allen orthodoxem Glaubensgemeinschaften zu eigen sind. Unterschiede gibt es aber zum Beispiel in der Tradition der Aufbewahrung. Auf die Stirn des Verstorbenen kommt ein Papierstreifen, in dem Gott dreifach gelobt und um Erbarmen angefleht wird. Eine kleine Ikone in den Händen stellt die Verbundenheit des Toten mit seiner Religion dar. Die kann das Abbild Gottes sein, der Heiligen Muttergottes oder des jeweiligen Namenspatrons. Ein besonderes Totentuch bedeckt den Leichnam. Sollten diese rituellen Gegenstände nicht im Besitz der Familie sein – sie werden vielfach noch traditionell vererbt – so hilft die zuständige Kirche auf Anfrage damit aus.

Die gesetzlichen Vorgaben für eine Bestattung in Deutschland stehen den Glaubenssätzen und Riten in der Russisch-Orthodoxen Kirche mitunter entgegen. Diese sehen vor, dass alle Trauergäste am offenen Sarg Abschied vom Toten nehmen. Dies ist jedoch aufgrund der in Deutschland geltenden Vorschriften nicht immer möglich. Ausnahmen werden für den Priester gewährt, denn er muss im Sinne seiner Kirche die Gebete zur Erlangung der Absolution am offenen Sarg verrichten. Danach wird der Sarg endgültig verschlossen.

Die Aussegnungsfeier ansich ist langwierig und dauert deutlich länger als bei westlichen Glaubensgemeinschaften. Hier werden an die Anwesenden kleine Kerzen ausgeteilt. Während der ganzen Feier werden sie brennend in der linken Hand gehalten. Anders als hierzulande wird der Weihrauch nicht nur von einer Stelle aus verwendet. Der Pope umschreitet damit unter Gebeten und Fürbitten den ganzen Sarg und beräuchert ihn rundum. Musik, mit Ausnahme von Chorgesang, ist im Gegensatz zu anderen Glaubensrichtungen kein Teil der Trauerfeier, im Gegenteil, sie sollte eher vermieden werden, wenn es nicht ausdrücklicher Wunsch des Verstorbenen war.

Eine Gemeinsamkeit im Ablauf der Bestattung ist der würdevolle Zug aller Anwesenden zum offenen Grab. Weihrauch und Weihwasser sowie die Schale mit Erde und eine kleine Schaufel sind übliche Zeremoniengegenstände, die während des Absenkens des Sarges verwendet werden. Üblich ist es, dass der Priester auf der Beerdigung einen Umschlag mit Geld bekommt, mit dem er seine Unkosten decken und, wenn den Trauernden ein höherer Betrag möglich ist, auch seine Kirchengemeinde unterstützen kann. Vielfach wiederum beteiligen sich die Trauergäste aber durch Geldspenden an den Kosten der Beisetzung, so dass dieser Brauch aufrechterhalten werden kann und sollte.

Wie bei den anderen orthodoxen Glaubensgemeinschaften auch findet in der Russisch-Orthodoxen Kirche am 40. Tag nach dem Tode eine Trauermesse statt. Ganz nach örtlichen Möglichkeiten werden diese Gottesdienste direkt am Grab oder in einer Kirche gehalten.

Bestattungsrituale der Muslime - Bestattungen in den Religionen

Islamische Bestattungen in Deutschland

Die strengen Regeln des Islams und die rigiden Vorschriften der deutschen Gesetzgebung stehen sich hier mitunter in einer bedauerlichen Weise gegenüber. So sollte im Islam die Bestattung noch am selben Tag erfolgen, was in Deutschland nicht unbedingt möglich ist. Viele der Abläufe einer muslimischen Beerdigung können jedoch auch hierzulande durchgeführt werden. Nachdem unter Gebeten vom Sterbenden oder bereits Toten Abschied genommen wurde, wird der Leichnam gewaschen und in Tücher gewickelt. Vorgesehen ist eine sarglose Bestattung, die in Deutschland nur in Ausnahmefällen oder auf Antrag möglich ist. Erste Bundesländer schufen hier Kompromisse, indem die Verstorbenen im Sarg zum Grab transportiert, dort entnommen und im Tuch beerdigt werden. Wie im Leben eines Moslems auch spielt die Blickrichtung nach Mekka beim Begräbnis eine wichtige Rolle.

Keine anderen Angelegenheiten sollen an diesem Tag verrichtet werden, so ist es Brauch. Am Grab selbst vollzieht sich alles ohne Geschäftigkeit, denn nichts darf die Totenruhe stören. Blumen und Kränze sind nicht üblich, auch das Grab wird nicht im westlichen Sinne gepflegt. Vielerorts entstanden eigene Bereiche in den Friedhöfen, damit die Gräberfelder zum einen jungfräulich sind und zum anderen das ewige Ruherecht wahren, wie es der Islam vorschreibt. Eine andere Nutzung soll für alle Zeit ausgeschlossen sein. Die Erdbestattung ist für Muslime die einzig richtige Art der Beerdigung, eine Feuerbestattung ist nicht erlaubt. Dies haben sie mit den apostolischen und katholischen orthodoxen Kirchen gemeinsam.

Bestattungsrituale des jüdischen Glaubens - Bestattungen in den Religionen

Bestattungen im juedischen Glauben

Auch hier ist die Erdbestattung der einzig erlaubte Weg, damit der Auferstehung am jüngsten Tage nichts entgegensteht. Die Beerdigung soll so rasch wie möglich nach dem Tode vorgenommen werden. Die Farbe der Trauer ist im Judentum Weiß. Der Tote bleibt am Ort seines Hinscheidens, sein Gesicht wird mit einem weißen Tuch verdeckt. Eine brennende Kerze am Kopfende des Totenbettes ist das Symbol der Seele, die sich nach den Glaubensgrundsätzen noch im Raum aufhält. Nach einem gemeinsamen Gebet mit Psalmen und dem Sündenbekenntnis, zu dem sich alle dem Toten nahestehenden Personen versammeln, werden die Fenster im Raum geöffnet. Auf diesem Weg soll die Seele Leib undRaum verlassen können.

Nach der rituellen Reinigung werden die Verstorbenen in weiße Totenkleider gehüllt. Männern wird ihr Gebetsmantel angezogen. Ein Sack Israel-Erde legt man unter das Haupt der Toten. Die erste Trauerzeit wird von den Juden Zeit des Schmerzes, aber auch des Verständnisses und der Nachsicht betrachtet. Nichts soll die Trauernden in dieser Phase stören. Sie ist Vorbereitung für die Kewura, die Totenfeier. Der Friedhof ist für Juden das “Haus des ewigen Lebens”. Dort beginnt die Trauerfeier mit Gesang. Die Hesped, die Gedächtnisrede, wird vom Rabbiner gehalten, andere Redner schließen sich oft an.

Beim anschließenden Trauerzug ist es für alle Gemeindemitglieder Pflicht und Selbstverständlichkeit, den Toten wenigstens einige Schritte lang zu begleiten. Die Anwesenden bedecken den Sarg mit drei Schaufeln Erde und der Verabschiedungsformel. Zuletzt wird ein weiter Psalm und das Heiligungsgebet gesprochen. Eine Woche der tiefsten Trauer schließt sich an, in der wiederum keiner Arbeit nachgegangen wird. Oft wird die Schiwa, diese Trauerzeit auf einen Monat oder, je nach Verwandtschaftsgrad, auf ein Jahr ausgedehnt. Mit einer Kerze und dem Kaddisch, dem Heiligungsgebet, wird dieser Abschnitt beendet.

Bestattungen in anderen Gemeinschaften

Ähnlich wie bei der römisch-katholischen Kirche, in den Gottesdiensten jedoch stark bezogen auf die übliche Gestaltung, laufen die Beerdigung bei den Mitgliedern der Altkatholischen und der Neuapostolischen Kirche statt. Durch die kleineren Gemeinden entsteht oft eine größere Verbundenheit untereinander, die während des Gottesdienstes und der anschließenden Trauerfeierlichkeiten zum Tragen kommt. Gottesdienst, Ansprache und Gebete in Trauerhalle und das Ritual am Grab sind, je nach Region, identisch mit denen in der römisch-katholischen Kirche.

Bestattungsrituale der Freimaurer - Bestattungen in den Religionen

Rituale der Freimaurer

Freimaurer, eine Bruderschaft, die in Logen agiert, und deren Ziel ist, dass mit ständiger Arbeit an sich selbst ein menschlicheres Verhalten entwickelt werden soll, haben ihre eigenen Bestattungsrituale. Neben diesen ist auch der Weg einer kirchlichen Beerdigung nicht ausgeschlossen, sollte der Verstorbene gleichzeitig einer Glaubensgemeinschaft angehört haben. Das Zeremonial der Freimaurer beginnt in einem eigens eingerichteten Raum. Der Meister vom Stuhl, der Zeremonienmeister, Aufseher, Organist und Redner fordern die Angehörigen auf, diesen Raum zu betreten. Kerzen, eine Trauerrede und das Niederlegen von Kränzen begleiten diesen Abschied. Je nach Loge variieren diese Feierlichkeiten, immer aber sind sie würdevoll und dienen den Toten ebenso wie den Hinterbliebenen.

Bestattungsrituale der Zeugen Jehowas - Bestattungen in den Religionen

Die Zeugen Jehovas und der Tod

Als Glaubensgemeinschaft, die mit Ausnahme von Nordafrika und großen Teilen Asiens weltweit verbreitet ist, agieren die Zeugen Jehovas in Glaubensfragen mit strengen Richtlinien. Bei Trauerfeierlichkeiten und der Bestattung jedoch mögen sie den Gläubigen der Großkirchen fast schon locker vorkommen, denn starre Regelungen gibt es hier nicht. So gibt es für die Zeugen Jehovas kein Anrecht auf ein Weiterleben nach dem Tod, dies wird nur den Auserwählten gewährt, die wiedererweckt werden. Dementsprechend sind alle Arten der Bestattung erlaubt. Nach der Traueransprache im Königreichsaal wird der Tote mit einer abermaligen kurzen Ansprache zu Grabe gebracht. Grabbeigaben sind nicht üblich, ebenso wenig ein Kreuz auf dem Grab.

Bestattungsrituale im Hinduismus - Bestattungen in den Religionen

Der Hinduismus und seine Bestattungen

In dieser Religion vereinen sich die unterschiedlichsten Vorstellungen und Rituale. Je nach Kaste und Familie, nach Region und Tradition sind die Riten unterschiedlich. Wie im christlichen Glauben ist es den Hindus wichtig, dass Sterbende nicht allein gelassen werden. Ebenso ist der Tod nichts Endgültiges, anstelle der Auferstehung im Christentum tritt die Wiedergeburt. Der Verstorbene wird gewaschen, vor dem Verbrennen – das hierzulande im Krematorium stattfindet – wird ein Totengebet gesprochen.

Bestattungsrituale im Buddhismus - Bestattungen in den Religionen

Abschiednahme im Buddhismus

Wo immer der Verstorbene seinen letzten Atemzug getan haben mag, es ist Sitte, dass er zunächst in seinem Zuhause aufgebahrt wird. Familie und Trauergäste nehmen hier Abschied, gemeinsame Gesänge und rituelle Lieder wie das Herz-Sutra begleiten diese Zeit. Auch wenn dieser Abschied im eigenen Haus Tradition ist, so erfordert er doch vielfach eine Genehmigung durch Behörden, wenn in unserem Land ein Buddhist stirbt. Oftmals wird deshalb diese Zeremonie in nahegelegene buddhistische Klöster verlegt. Buddhistische Mönchen und tief verwurzelte Riten gehören zur Bestattung. Steht kein Kloster in der Nähe zur Verfügung, so findet das Bestattungsritual in einer Trauerhalle statt. Auch im Buddhismus ist die Feuerbestattung üblich, die Asche des Verstorbenen wird der Erde übergeben.

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Ok